Transformationskurve

transformationskurveModellhaft sollen in einer Wirtschaft nur zwei Güter produziert werden. Diese Güter können das Gut A und B, Autos und Nahrung oder aber die Produktionsgütermenge sowie die Konsumgütermenge darstellen.

Auf dem gegebenen Graphen tragen wir auf der Ordinate (vertikal) die Gütermenge Gut A und auf der Abszisse (horizontal) die Gütermenge Gut B ein. Wir unterstellen modellhaft, dass sich beide Güter homogen verhalten. Die Güter werden mittels einer konkaven Linie verbunden. Die so entstandene Kurve heißt Transformationskurve (oder auch Kapazitätslinie).

Auf der Kurve liegen alle Kombinationen beider Güter, die sich mit gegebenen Bestand an Produktionsfaktoren (Arbeit, Kapital, Boden) und dem technisch-organisatorischem Wissen maximal realisiert werden können (Punkt V). Die Punkte geben jeweils ein bestimmtes, ausgelastetes und effizientes Realisierungsverhältnis von A und B sowie Vollbeschäftigung an.

Punkte, die innerhalb der Transformationslinie liegen (Punkt U), sind grundsätzlich realisierbar. Hier wird allerdings nur ein Teil der möglichen Produktionsfaktoren genutzt, der Faktoreinsatz ist ineffizient. Die Kombination gibt hierbei an, dass ein Teil der Produktionsfaktoren unterbeschäftigt ist.

Punkte, die außerhalb liegen, sind bei gegebenen Bestand an Produktionsfaktoren sowie technisch-organisatorischem Wissen nicht realisierbar. Soll die Produktion eines der beiden Produkte ausgedehnt werden, ist dies nur bei gleichzeitiger Einschränkung der Produktion des anderen Gutes möglich. Die Menge, auf die hierbei verzichtet werden muss, wird als „Opportunitätskosten“ bezeichnet. Ein schönes Beispiel, was die Opportunitätskosten für mich am besten veranschaulicht, habe ich aus einem Wirtschaftsinformatik-Forum. Die Klausur Frage war dort in etwa:

Was sind „Opportunitätskosten“? Soll Wladimir Klitschko seinen Rasen selber mähen oder diese Arbeit gegen Bezahlung machen lassen? Begründen Sie.

Die Antwort eines Studenten lautete: „Es kommt drauf an, was ein externer Rasenmähdienst kostet. Wenn der Rasenmäher-Dienst teurer ist als die zusätzliche (!) Siegprämie, die er bekommen würde, wenn er trainieren, anstatt mähen würde, so lohnt sich das Training nicht. […] Angenommen, die Zeit zum Mähen sei eine Stunde. Diese Stunde kostet 20 € für den Rasenmäher-Dienst. Wenn er die Stunde in sein Training investiert, steige seine Siegprämie um 10 EUR an. Dann mäht er besser selbst!

transformationskurve2Nehmen wir an, dass wir bei vollbeschäftigten Produktionsfaktoren und bei gegebenem technisch-organisatorischem Wissen, die Produktion des Gutes B um eine Einheit erhöhen wollen, so ist dies nur möglich, wenn wir auf eine bestimmte Menge des Gutes A verzichten. Diese Menge nimmt mit zunehmender Steigerung immer mehr zu. Das liegt an der zum Ursprung konkav gekrümmten Transformationskurve. Das bedeutet, auf dem Weg von B1 zu B3 nehmen die Opportunitätskosten zu. Man spricht hier auch vom „Gesetz der zunehmenden Opportunitätskosten“. Das Gesetz besagt, dass bei „fortgesetzter Ausdehnung der Produktion eines Gutes (oder einer Gütergruppe) um eine Einheit immer mehr Einheiten alternativer Güter aufgegeben werden müssen“.

transformationskurve3Die praktische Relevanz des Gesetzes beschreibt die wesentlichen Zusammenhänge der Transformationskurve. Je mehr eine Wirtschaft von einem bestimmten Gut produzieren möchte, so mehr Produktionsfaktoren werden benötig. Diese werden aus dem einer Periode zur Verfügung stehenden Gesamtbestand an Produktionsfaktoren entnommen und stehen per se nicht mehr für andere Güter zur Verfügung. Um die Produktionsmöglichkeiten auszuweiten, also die Transformationskurve nach außen zu verschieben, ist es erforderlich, dass sich die Produktionsfaktoren erhöhen.

Produktionsfaktoren erhöhen sich zum Beispiel durch das Wachstum der Bevölkerung (Geburtenrate, Zuwanderung). Auch eine Entwicklung des technisch-organisatorischen Fortschritts würde eine Verschiebung der Transformationskurve bewirken. Der technisch-organisatorische Fortschritt könnte zum Beispiel durch die Weiterentwicklung der Produktionsverfahren, neuer Verfahren oder aber durch Schulung der Mitarbeiter erreicht werden (Verfahrensfortschritt).

Ein weiterer Aspekt, die Transformationskurve auszuweiten, ist die Arbeitsteilung. Bereits im 18. Jahrhundert beschrieb Adam Smith im Buch „Reichtum der Nationen“ die Arbeitsteilung und Produktivität. Er beschreibt, welche Vorteile eine Arbeitsteilung hat – diese kann man dann auf die Transformationskurve übertragen.Es heißt:

Um eine Stecknadel anzufertigen, sind somit etwa 18 verschiedene Arbeitsgänge notwendig, die in einigen Fabriken jeweils verschiedene Arbeiter besorgen, während in anderen ein einzelner zwei oder drei davon ausführt. Ich selbst habe eine kleine Manufaktur dieser Art gesehen, in der nur 10 Leute beschäftigt waren, so daß einige von ihnen zwei oder drei solcher Arbeiten übernehmen mußten. Obwohl sie nur sehr arm und nur recht und schlecht mit dem nötigen Werkzeug ausgerüstet waren, konnten sie zusammen am Tage doch etwa 12 Pfund Stecknadeln anfertigen, wenn sie sich einigermaßen anstrengten. Rechnet man für ein Pfund über 4000 Stecknadeln mittlerer Größe, so waren die 10 Arbeiter imstande, täglich etwa 48 000 Nadeln herzustellen, jeder also ungefähr 4800 Stück. Hätten sie indes alle einzeln und unabhängig voneinander gearbeitet, noch dazu ohne besondere Ausbildung, so hätte der einzelne gewiß nicht einmal 20, vielleicht sogar keine einzige Nadel am Tag zustande gebracht. Mit anderen Worten, sie hätten mit Sicherheit nicht den zweihundertvierzigsten, vielleicht nicht einmal den vierhundertachzigsten Teil von dem produziert, was sie nunmehr infolge einer sinnvollen Teilung und Verknüpfung der einzelnen Arbeitsgänge zu erzeugen imstande waren.“
(Smith (1978), S. 10.)

Das Projekt derFernstudent.de ist für mich gleichermaßen Dokumentation und Erfahrungsbericht. Ich bin gespannt, welche Hürden sich mir in den Weg stellen und wie ich den Weg zum erfolgreichen Abschluss des Studiums meistere. Die gewonnenen Erfahrungen möchte ich in diesem Blog teilen, um eventuell anderen angehenden Fernstudenten die Entscheidung zu erleichtern.

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